TYSON . Köln . 2015 Die aus Iran stammende und in Köln lebende Künstlerin Linda Nadji zeigt eine eigens für TYSON entwickelte Installation. In framed unframed, bleibt Linda Nadji Ihrem Leitgedanken treu, Dinge oder Räume nicht so hinzunehmen, wie sie im ersten Augenblick erscheinen, sondern die architektonische Situation zu sezieren und assoziativ in eine raumgreifende Installation umzuwandeln. Ausgehend von der besonderen Fenstersituation des Raumes, dechiffriert Nadji in einem addierendem und subtrahierenden Verfahren den Raum, indem sie auf das Gegebene eingeht, Elemente zunächst hinzufügt und wieder wegnimmt, bis die gewohnte Anordnung des Raumes ein neues Gefüge ergibt. Mit alltäglichen Materialien wie Holzlatten, Textilien, Industriefilz und Farbe tastet sie sich an allen Winkeln, Ecken, Kanten und Flächen des Raumes entlang. Architektonische Elemente werden entkoppelt, gespiegelt oder verdreht. Textilien in ungewohnter Art und Weise angebracht, Objekte zu neuen Akzenten platziert. Nebensächlichkeiten rücken in den Focus und stellen neue Bezugsfelder her. Dadurch wird die alltägliche und oft flüchtige Wahrnehmung gesteigert und die Geschichte des Raumes mit seinen Schrammen, Flecken und Unebenheiten sichtbar und neu erfahrbar gemacht. Es gelingt ihr durch kleinere Setzungen und Brüche einer formalistischen oder streng linearen Methode auszuweichen und die Hierarchien im Raum mit einer spielerischen Leichtigkeit aufzuweichen. Dem Betrachter ist es letztendlich überlassen, Nadjis Installation analytisch oder assoziativ zu deuten und sich auf eine Veränderung der eigenen Sichtweise einzulassen. Wer die poetische Leseweise mag, könnte eine Farbfläche auf der Wand als virtuelles Fenster nach außen lesen, mit Sicht auf ein weites Meer, darüber weht eine Gardine sachte im Wind. An anderer Stelle wird der Heizkörper zu einem Podest und ein Teppich wölbt sich aus einer kleinen Fensterreihe. Patricia Schnurr